The Lovina Beach Boys – (Craft-)Biersterne am Himmel über Bali

Jedes Jahr im Mai steht Ubud, das künstlerische und kulturelle Zentrum der Insel voll im Zeichen des Geschmacks. Das Ubud Food Festival ist ein come together von foodies aus Bali, Indonesien, Südost-Asien und Australien. 4 Tage lang rauchen die Töpfe und Pfannen am Festivalgelände und in den Bars und Restaurants der Stadt. Balinesische Küche, Street Food und moderne Cross-Over Konzepte machen die Auswahl groß und die Entscheidungen nicht einfacher. Ausgangs-, Fix- und Treffpunkt für viele ist dabei der Food Truck von Locavore, direkt vor dem Haupteingang. Das Locavore ist eines der herausragenden Restaurants in Ubud. In Bali. Eigentlich in ganz Asien. Bei den Top-Rankings asiatischer Spitzengastronomie ist Ray Adriansyah mit seinem Lokal immer im vorderen Drittel. Der Food Truck könnte auch in Berlin, Wien oder New York City stehen. Es gibt Pulled Pork (mit Coleslaw und Mayo), regionales Wagyu-Beef als Burger oder Falafel mit Sojabohnen. Zum richtigen Erlebnis macht den Food Truck aber erst das Bier. Die Biere, um genau zu sein.

Sie heißen Stark Beer und kommen aus der Lovina Beach Brewery im Norden der Insel. Stark ist die Marke, Lovina Beach der Name der Brauerei. In ihrer Selbstdarstellung bezeichnet sich die kleine Brauerei als Indonesiens erste und einzige Craft Beer Brewery. Das ist natürlich eine selbstbewusste Ansage, und wenn man den Markt in Indonesien genauer betrachtet, liegen sie mit ihrer Selbsteinschätzung gar nicht so daneben. Lovina Beach produziert etwa 100.000 Hektoliter pro Jahr und ist damit viertgrößter Bierbrauer in Indonesien. Die Big Player am Archipel sind Bintang (Heineken), Delta Jakarta (Anker Beer) und Bali Hai (Draft Beer). Die Produktionsmengen dieser vier Anbieter übersteigen das Volumen von Lovina Beach allerdings um ein Vielfaches.

Die große Herausforderung für qualitativ hochwertig Bierproduktion unter tropischen Bedingungen sind mannigfaltig. An oberster Stelle steht allerdings die Frage nach dem Rohstoff. Das mit dem Wasser hat die Brewery gut hingekriegt, indem sie sich im Norden der Insel nahe an ergiebige Bergquellen gebaut hat. Trinkwasserqualität. Trotzdem wird mehrfach filtriert, bevor das Wasser für die Produktion verwendet wird. Die Lovina Beach Brewers bezeichnen sich als ‚local brewery’. Sind sie auch. Die Distribution sitzt in Denpasar, der Hauptstadt und der überwältigende Teil des gebrauten Bieres wird in Bali konsumiert. Die Rohstoffe gehen einen weiteren Weg. Das Malz kommt aus Australien, der Hopfen aus den USA und die Hefe aus Europa.

Verantwortlich für den Vertrieb der Stark-Biere ist Andreea Ceteras, eine quirlige Rumänin, die es irgendwann nach Bali verschlagen hat und die seither hier lebt. Ihr Job ist es, in den Bars und Restaurants von Ubud, Denpasar und an den Ständen der Insel dafür zu sorgen, dass das Bier verkauft wird. Da das in einem Umfeld, in dem es kaum Biertradition gibt, eine schwierige Aufgabe ist, verbringt sie einen großen Teil ihrer Arbeitszeit damit, die Grundlagen für eine entsprechende Kultur zu legen. In Trainings und Schulungen werden Kellner, Sommeliers und Barkeeper biermäßig auf Vordermann gebracht. Herstellung, Service- und Glaskultur, Food-Pairing, Bezeichnungen. Andreea ist überall, wo Rauch aufgeht. Lacht, zapft und erzählt bis die Sonne wieder aufgeht.

 

Das Sortiment der Stark Biere ist übersichtlich. Ein (sensationelles) helles Weizenbier, ein dunkles Weizen, ein rustikales Lager und ein Pils mit Bezug zur Geschichte des Landes. 2015, 70 Jahre nach der Unabhängigkeit kam unter der Marke seines Geburtsjahrs Indonesiens erstes (und bislang einziges) Pils auf den Markt: ‚1945’. Außerdem – dazu aber später mehr – zwei fruchtige Ales in den Geschmacksrichtungen Lychee und Mango. Das helle Weizen ist ein Bier mit enorm hohem Trinkspaßfaktor. Es tänzelt zwischen zitrusfrischen Noten (Orangenschale, Limette) und würzigen Hopfennoten und ist die erste Wahl für unkomplizierten Biergenuss an den Stränden von Bali. Das dunkle Weizen ist eine Spur ernster. Wie das helle ist auch das dunkle Weizen unfiltriert. Darüber hinaus wirkt es reifer und bodenständiger. Das Bier präsentiert sich im fast pelzigen Gerbstoffmantel und mit überraschend geringer Bittere. Dafür kontern die Aromen mit Kaffee, Schwarztee und dunkler Schokolade. Letztlich eine runde Sache und perfekt zum pulled pork-Sandwich vom Locavore-Food-Truck. Herausragend im unfiltrierten Trio ist aber das Lager Abgesehen davon, dass es das einzige seiner Art im – nicht wirklich kleinen – Land Indonesien ist, ist es vor allem ein erfrischendes, natürliches und hefetrübes Pils, das seinesgleichen in Asien sucht. Wo immer die Leute, die sich um die Vermarktung kümmern das her haben, es wird aus unterschiedlichen Gründen nicht dazu kommen: die Food-pairing Empfehlungen gehen in die (seltsame) Richtung Schnitzel, Cordon Bleu und ‚european style steaks’. Nein, das Tropenpils gehört zu allem fleischlichen, das man auf Bali auf den Teller bekommt. Babi guling (das regionale Spanferkel) oder lawar (die regionale Blunzen).

Letztlich noch die beiden angesprochenen fruchtigen Ales. Mango und Lychee. Vor allem das Lychee Ale kann was. Quasi Bali-Radler. Während das Mango doch eine gewisse Schwerfälligkeit und Cremigkeit hat, besticht das Lycheebier durch tropische Fruchtnoten, unaufdringliche Süße und belebende Spritzigkeit. Zauberhaft.

Die Lovina Beach Boys haben Pläne. Auf der Wunschliste der Tüftler stehen ein IPA, ein Coffee Porter und ein Golden Ale. Wir sind gespannt. Niemand sollte des Bieres wegen nach Bali fliegen. Wer aber dort ist, sollte nicht zurück, ohne die Stark Biere probiert zu haben.

Dieser Artikel ist im 1515 Craft Bier Magazin Ausgabe 5 erschienen. Text und Bilder: Jürgen Schmücking

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Jürgen Schmücking

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