Bierszene Steiermark

(c) Robert_Sommerauer

In kaum einem anderen Bundesland ist die Bierszene so vielfältig wie in der Steiermark. Auf der Reise zwischen traditionellen Großbrauereien, mittelständigen Brauhäusern, Craftbierbrauern, Wanderbrauern und Gasthausbrauereien entdecken wir neben vorzüglichen Bieren vor allem eines: Menschen, die zu ihrem Handwerk stehen und dies auch leben.

Man sagt, dass nirgendwo in Österreich so viel Bier getrunken wird, wie in der Steiermark und Tirol. Zu zweiteren muss man sich wohl auf die Touristen berufen, die dem heiligen Land einen dermaßen Bierabsatz bescheren. In der Steiermark kann man das wohl eher verstehen, und das, obwohl große Teile des Bundeslandes auch zu den Top Weinregionen Österreichs zählen. Stichhaltige Statistiken dazu gibt es aber nicht. Ist ja auch nicht so wichtig, denn was beim Bier zählt ist ja nicht die Quantität, sondern die Qualität. Und da kann das grüne Herz von Österreich auch stark punkten. Durch traditionelle Biermarken, die in ihrer Region nicht mehr wegzudenken sind, oder Großbrauereien, die Österreichs beliebteste Biere brauen. Und dann gibt es noch die vielen kleinen aufstrebenden Brauer, die aus der Steiermark etwas besonderes machen: nämlich ein Bierland.

Das grüne Herz Österreichs hatte immer schon auch ein Herz für Bier. In der Steirerbrau waren mit Gösser, Puntigamer und Reinighaus drei der stärksten Biermarken Österreichs, bevor das Unternehmen 1998 mit der Brau AG zur Brau Union verschmolzen wurde und schliesslich im internationalen Heineken Konzern aufging. Die Standorte in Graz und Leoben – nach wie vor die beiden größten Braustandorte in Österreich – wurden aber beibehalten, gerade Leoben mutierte in den letzten Jahren durch zahlreiche Umbauten zu einer aus energiewirtschaftlichem Blickweise sehr nachhaltigen Brauerei.

 

 

Nachhaltigkeit setzt sich durch

Nachhaltig kann man heute gar nicht mehr als Trend bezeichnen, es ist eine Entwicklung, der sich niemand enthalten darf. In der Brauwirtschaft gibt es gerade in der Steiermark diverse federführende Beispiele, wie sich dies umsetzen lässt. Als größter Braustandort der Steiermark haben sich die verantwortlichen in Leoben schon seit Jahren für die nachhaltige Umgestaltung der Gösser Brauerei eingesetzt. „Unter der Heineken-weiten Strategie ‚Brewing a Better World‘ setzt die Brau Union zahlreiche Initiativen, um unsere Arbeit in Einklang mit ökologischen und sozialen Herausforderungen zu gestalten und laufend zu optimieren – besonders in der Steiermark mit großem Erfolg, wie zum Beispiel die internationale Vorreiterrolle der Grünen Brauerei Göss belegt.“ sagt Gabriele Maria Straka, die für die CSR im Konzern zuständig ist.

Die Solaranlage in Göss (c) Brau Union

 

Die Genossenschaftsbrauerei in Murau gilt schon seit 2014 als CO2-neutral. Zur Bierherstellung werden keine fossilen Brennstoffe mehr verbraucht. Gebraut wird vornehmlich mit regionalen Zutaten und eigenem Brunnenwasser – nur beim Hopfen muss eine Ausnahme gemacht werden, denn in Österreich gibt es zu wenige Anbaugebiete, um den Bedarf aller Brauereien zu decken. Die ökologischen Bestrebungen sind durch zahlreiche Auszeichnungen belegt und ausgezeichnet worden, darunter etwa das österreichische Umweltzeichen oder das AMA-Gütesiegel.

 

Der Zusammenschluss der regionalen Brauer

Unter der Dachmarke Steiermarkbier haben sich 10 Brauereien aus allen Teilen des Bundeslandes zusammengeschlossen, um gemeinsame Aktivitäte zu gestalten. Die Idee stammt zwar aus einer Marketingfirma, wurde aber von Anfang an von Gösser-Braumeister Andreas Werner in seiner Funktion als Obmann der Lebensmittelindustrie in der WKO unterstützt. Mit seinem eigenen Betrieb ist er natürlich zu groß, um den Kriterien des Vereines zu entsprechen (maximal 50.000 hl Ausstoss), aber mit der Schladminger Brauerei ist auch ein Betrieb aus dem Heineken-Konzern am Start.

Die Biermarken von Steiermarkbier (c) Nadja_Eder-Sophie_Semlitsch

Mit Gratzer Bier, der Handbrauerei Forstner und der Herzog Bierbotschaft sind Kreativbrauer der ersten Stunde im Zusammenschluss, dazu kommen einige regionale Brauereien, der Brauanlagenbauer Fleck mit seiner Brauschauerei und Betriebe, die vornehmlich für ihre eigenen Gaststätten brauen. Für viele gilt zum Beispiel das Girrer Bräu aus dem Mariazeller Brauhaus von Hannes Girrer als eigentlicher Grund für eine Pilgerfahrt. Im Fall von Reini Schenkermaier vom Erzbergbräu, der die Aktivitäten der Marktgemeinschaft Steirischen Brauhandwerkes koordiniert, ist der Betrieb in Eisenerz ein Bedarfswirtshaus: „Das erste Steirische Bedarfswirtshaus ist aus der Idee und dem Wissen entstanden, dass am Land ein Wirtshaus nicht mehr 5-7 Tage pro Woche überleben kann. Es ist notwendig, dass – wenn das Wirtshaus geöffnet und Personal vor Ort ist – auch ausreichend Gäste da sein müssen, um kostendeckend zu sein. So haben wir uns vorerst auf nur einen Öffnungstag pro Woche (Freitag) festgelegt, mittlerweile haben wir auch Samstagabend geöffnet. Oder eben wenn für Feiern zusätzlich Bedarf ist.

Reini Schenkermaier mit seinen Erzberg-Bieren (c) Werner Krug

Vom “steirischen Hopfen”

So wie einige andere Kollegen von Steiermarkbier betreibt Wolfgang Dietrich Die Brauerei in Leutschach nicht hauptberuflich. Es war ihm aber sehr wichtig, daß im einzigen Hopfenanbaugebiet der Steiermark auch wieder Bier gebraut wird. Bonmot 1 dazu: Da die lokalen Hopfenbauern – durchwegs zu ihren Gunsten – langfristige Exklusivabnahmeverträge mit der Brau Union haben, muss Die Brauerei in Leutschach mit Hopfen aus Slowenien arbeiten. Bonmot 2: Auf Grund eines EU Patentes darf nur Hopfen aus Slowenien “steirischer Hopfen” genannt werden. Das verstehe einer nunmal! Wolfgang Dietrich hielt das alles übrigens trotzdem nicht ab, in Leutschach auch das 1. Steirische Hopfenmuseum zu eröffnen. Es zeigt die Geschichte des Hopfenanbaus seit 1950, als Peter Reininghaus die lokalen Bauern beauftragte, für seine Brauerei Hopfen anzubauen. Heute werden von etwa 15 Bauern in Leutschach 80 ha Hopfen angebaut.

Wolf Dietrich aus Leutschach

 

Klein, fein und lustig

Ein weiterer Typ im Reigen der steirischen Brauer ist Alfried Borkenstein, als Wanderbrauer lässt er seine Alefried-Biere nur mit obergärigen Hefen in der Steiermark brauen. Mit seinen bunt etikettierten Bieren ist er schon in ganz Österreich vertreten, und auf allen Bierfesten ein Hingucker. Im Hotel und Gasthaus Steirisch Ursprung braut Walter Neuwirth sein Sonnenbier. Für das Brauen von Honigbier und anderen Spezialitäten verwendet er ausschliesslich Energie der Sonne. Während er sein Hotel das schrägste des Landes nennt, so bezeichnet Gerhard Hurdax seine Brauerei in Großstübing als die steilste der Steiermark. So kommt auch der Name seines Leit’n Bräu von den steil abfallenden Hängen um den Betrieb. Auch das „Tibet der Brauwelt“ genannt.

Und dann wär da noch der Toni. Eigentlich ist der Name des Biobieres Toni Bräu ja irreführend, denn eigentlich braut ja seine Frau Erika für den Toni. Als der nämlich vor vielen vielen Jahren Nierensteine bekam und die Familie gelesen hatte, dass Bier da hilft, begann man mit dem Bierbrauen. Dies wurde zur Leidenschaft und seit 2002 wird in Ebersdorf, in der Ökoregion Kaindorf auch kommerziell gebraut. Von Erika eben!

Erika und Toni vom Tonibräu

Und auch in den nächsten Jahren wird sich viel in der steirischen Bierszene tun. Flecks möchte die größte und bekannteste Genussbierbrauerei Österreichs werden. Dafür hat man eben über Crowdfunding € 500.000 Euro lukriert. Noch mehr Geld wird wohl Dietrich Mateschitz investieren. Wenige Kilometer vom Red Bull Ring entfernt, wird er 2018 in einem Schloss samt Wasserquelle im Murtal eine Brauerei eröffnen. Bier verleiht sicher auch Flügel.

 

Der CBF-Newsletter

Erhalte in regelmäßigen Abständen die aktuellsten Informationen & Artikel übersichtlich aufbereitet vom CBF-Team per E-Mail.

Micky Klemsch

Micky Klemsch